Die Sendung mit der Quietscheente: Hinduistische Götter
Ganesha ist wohl so ziemlich der bekannteste Gott ausserhalb Indiens und wird hier als der Gott angebetet, der Hindernisse entfernt. Wenn also der Grundstein eines neuen Hauses gelegt, ein Laden eröffnet wird oder bei Beginn einer anderen Arbeit, wird Ganesha immer als erstes angebetet um seinen Segen zu erhalten. Ganesha hat zwei Ehefrauen, Siddhi (die Göttin des Erfolges) und Ridhi (die Göttin des Wohlstands).
Der Sohn Shivas und Parvatis besitzt – laut der hinduistischen Mythologie – den Kopf eines Elefanten, da sein eigener Vater ihm seinen Kopf abschlug, als Ganesha ihm den Eintritt zu dem Gemach Parvatis verwehrte, da diese ein Bad nahm. Um das Missverständnis rückgängig zu machen, suchte man nach einem neuen Kopf, als erstes fand man ein Elefantenjunges, dessen Kopf Ganesha jetzt trägt.
Seine vier Arme symbolisieren sein Herrschen über alle vier Kategorien des Lebens. So ist er der Herr über alle Lebewesen des Wassers, der Erde und der Luft, sowie derer, die in Wasser und auf der Erde leben.

Shiva, Parvati und ihr Sohn Ganesha
Ganeshas Begleiter ist eine Maus, die ihren Weg durch alles durch knabbert und somit alle Hindernisse beseitigt, also die Eigenschaft, die man Ganesha nachsagt. Als Elefant kann er Bäume entwurzeln und sich durch den dicksten Dschungel schlagen, ähnlich schafft es die Maus durch die engsten Ritzen und kleinsten Löcher.
Man betet Ganesha immer zuerst an und er wird auch als erstes in meinem Lexikon über hinduistische Götter erwähnt. Dies wird mit der Legende begründet, dass es einen Wettbewerb unter allen Göttern gab, wer den ersten Platz in der Reihenfolge des Gebetes bekommen sollte. Es wurde also festgelegt, dass dem Gott, der zuerst das Universum umrundet, dieser Platz zugesprochen wird. Alle Götter rannten los, aber Ganesha wusste schon, dass er aufgrund seines dicken Bauches und seines kleinen Gefährten, der Maus, die ihn niemals tragen könnte, keine Chance hatte. Um seinen Eltern viel Glück zu wünschen, umrundete er sie einmal und berührte ihre Füße. Genau das brachte ihm den Sieg, da man in Indien sagt, dass man bei der Umrundung der Eltern und dem Berühren ihrer Füße, das Universum einmal bereist.
Brahma wird als der Erschaffer des Universums angebetet. Die Hinduisten glauben, dass Vishnu, nachdem er ein Universum zerstört hat, in einen tiefen Schlaf fällt und auf dem Wasser treibt. Aus seinem Nabel wächst eine Lotusblüte, auf der Brahma sitzt, der das Universum wieder auf ein Neues erschafft. Wenn Brahma sich schlafen legt, wird die Welt und alles was auf ihr wächst und lebt, in einem Feuer zerstört. Zum Glück dauert ein Tag Brahmas ganze 2,160,000,000 Menschenjahre. Wenn er am nächsten Tage wieder erwacht, erneuert er die Welt. Dies passiert so lange bis Brahma seine 100 Jahre verwirkt hat. Wenn dies passiert, verfällt das gesamte Universum in seine Elementarteile mitsamt allen Göttern und Sagen.

Auch Brahma hat vier Arme, in denen er ein Zepter, eine Perlenkette, eine Schüssel mit heiligem Wasser und die Veden (die heiligen Schriften des Hinduismus) hält. Oft wird er als ein alter Mann mit Rauschebart dargestellt, der auf einer Lotusblüte sitzt.
Brahmas Begleiter ist ein Schwan oder eine Gans, Zeichen des Wissens. Brahma wird also auch als die Quelle alles Wissens angesehen. Seine Frau heißt Sarasvati, mit ihr hat er einen Sohn, Daksha, der – laut Legende – aus Brahmas Daumen entsprungen ist.
Brahma wird nicht sonderlich oft angebetet, da er nach der Erschaffung des Universums, keine Arbeit mehr auf der Erde hat. Außerdem wird er oft mit der Erschaffung von Dämonen in Verbindung gebracht und dafür verantwortlich gemacht. Um diese Dämonen zu besiegen, wird dann Vishnu gerufen. In ganz Indien gibt es nur einen Tempel in dem ein Bildnis Brahmas angebetet wird, dieser steht in Pushkar, im Norden.
Brahma und Sarasvati
Vishnu, der Erhalter des Universums, wird als ‘Gott der Götter’ angesehen und hat eine Vormachtsstellung gegenüber allen anderen Göttern. Er ist allmächtig, allgegenwärtig und allwissend und der Mittelpunkt des Universums. Seine Frau ist Lakshmi, die Göttin des Reichtums und der Anmut.
Auf Bilder wird Vishnu oft mit vier Armen dargestellt, die seine Insignien halten: Der Diskus, den Vishnu in einer Schlacht als Waffe verwenden kann, ein Schneckenhorn, einen Lotus, das Symbol der Weisheit, Reinheit und Schönheit und eine Keule. Sein Gefährte ist ein Adler, Garuda.
Vishnu hat 10 Reinkarnationen, auch Avatare genannt. Die erste ist Matsva, ein großer Fisch, der bei der Flut die Arche zog, die zweite Kurma (eine Schildkröte), drittens Varaha (ein Rieseneber). Die vierte Inkarnation ist Narasimha, Vishnu mit einem Löwenkopf. Vamana (ein Zwerg), Parashurma (Vishnu in Menschengestalt, oft mit einer Axt dargestellt), Rama (der Held des Romeo-und-Julia-Epos ‘Ramayana’) und Krishna (Vishnu mit schwarzer Hautfarbe, auch der Verkünder der Bhagavad Gita – eine der zentralen Schriften des Hinduismus) sind ebenfalls Reinkarnationen. Auch Buddha wird im Hinduismus als eine (die neunte) Reinkarnation Vishnus angesehen. Buddha soll außerdem der Bruder Krishnas gewesen sein. Zuletzt gibt es noch Kalki, die zukünftige Form Vishnus, dargestellt als ein Reiter, der das Dharma, das Gesetz und die Moral, wieder herstellt.
Shiva, der letzte der drei Hauptgötter (auch die Trimurti genannt – Brahma, Vishnu und Shiva), wird in vielen verschieden Varianten dargestellt. Insgesamt gibt es 1008 Namen für ihn. Meistens jedoch wird er in seinem Thron mit einem Leopaden oder Tiger Fell, Kobras um seinen Hals, das lange Haar auf dem Kopf zu einem Dutt gebunden, auf diesem Dutt sein Zeichen (einer Mondsichel) und in Begleitung seines Reittiers, dem Bullen Nandi, abgebildet. Auffällig ist auch sein vertikales, drittes Auge auf der Stirn. Eines Tages legte Shivas Frau Parvati im Spiel ihre Hände auf seine Augen, es wurde dunkel auf der Welt und schließlich zuckte ein Blitz auf Shivas Stirn, das dritte Auge ziert seit diesem Zeitpunkt seine Stirn. Das “Auge des Feuers” wird als ein Auge mit höherer Auffassungsgabe angesehen und verbrannte einmal den Gott der Lust zu Asche.
Auf Abbildungen steht Shiva oft in der Mitte des Universums, begleitet von dem weißen Bullen Nandi, der den sexuellen Impuls und das Verlangen darstellt. Shiva ist also auch der Meister der Lust, da er sie gezähmt hat und sie kontrollieren kann.

Manchmal wird Shiva auch als ein “Linga” dargestellt, ein Phallus-Symbol, hergestellt aus schwarzem oder weißem Stein, ein Symbol des Herrschers des Universums. Früher wurde durch diese Statuen vor allem die Fruchtbarkeit angebetet, ein wichtiger Aspekt für Bauern.
Außerdem wird Shiva als der Gott der Askese und ein großer Meister des Yoga angesehen. Shiva kann aber auch der Gott der Grausamkeiten seien, ein Fleischesser, der Opfer fordert, der Gott der Kobolde, Geister und Vampire.
Hanuman, der Affengott, ist der Gott der Stärke, der im Zölibat lebt. Er ist der Sohn des Gottes des Windes, Vayu. Viele Wrestler und Ringkämpfer beten Hanuman an. Hanuman ist ein sehr guter Freund Ramas, dem Helden aus dem hinduistischen Romeo-und-Julia-Epos.
Um Hanuman gibt es viele Geschichten und Mythen. So wird ihm nachgesagt, dass als Junge die Sonne am Himmel sah und sie mit einer Frucht verwechselte, sie pflügte und in den Mund steckte. Es wurde dunkel und alle anderen Götter hatten Angst, dass die Erde vergehen werde, wenn er die Sonne verschluckte. Nach einigen Überreden spuckte er sie also wieder aus und die Erde wurde von einem Dasein in Dunkelheit gerettet. Eine andere Geschichte besagt, dass Hanuman von einem Monster verschluckt wurde und er – nur durch Anspannen seine Muskeln und dem damit verbundenen Ausdehnen seines Körperumfangs – das Monster zum Brechen brachte und somit sein Leben rettete.
Die meisten Hindus sind entweder Anhänger Shivas oder Vishnus, Brahma gehört zwar zu den drei Hauptgöttern, wird aber kaum angebetet. Ganesha betet fast jeder Hindu an, sowie diverse andere, kleinere Götter. Laut Statistik sind 80,5% der Inder Anhänger des Hinduismus, der wiederum Millionen verschiedene Götter hat. Nicht jeder Hindu glaubt allerdings an Götter, so glaubt in meiner Gastfamilie nur Kishen, mein Gastbruder an die hinduistischen Götter, Aunty, Uncle und Apeksha glauben eher daran, dass man einen Gott in sich trägt und ihn auslebt indem man Gutes tut. Sowohl Apeksha als auch Aunty belächeln Kishen ein wenig, der jeden Sonntag Puja (Gebet) für Ganesha macht und der beim Verlassen des Hauses die Ganesha Statue über dem Türrahmen berührt und dann seine Hand küsst. Da sieht man schon sehr gut wie groß die Glaubensunterschiede in einer Familie seien können. Und dann stelle man sich mal ganz Indien vor!
Indische Kurzgeschichten, diesmal: Rechtschreibung
Euch allen erst einmal ein Frohes (verspätetes) Neues! ‘Tschuldigung für die lange unangekündigte Pause, ich hatte mal wieder Besuch aus der Heimat und war im kalten Norden Indiens unterwegs. Die Aufarbeitung dieses Urlaub wird (hoffentlich bald, ich muss mich mal aufraffen…) folgen. Währenddessen gibt es einen Bilderblog um die Wartezeit zu überbrücken:
Oder: Mein Name ist Deuben, Mr. Deuben
Wer zur Hölle ist den Mr. Deuben? Das war mir bei dieser Rechtschreibung auch nicht so bewusst, als ich die Rechnung im Ajanta Hotel in Bangalore auf den Tisch geknallt bekommen habe. Da musste ja wohl ein Fehler vorliegen. Okay, das „ß“ gibt es nur in der deutschen Sprache, daraus kann gut und gerne schon einmal ein „b“ werden. Aber wie wurde aus dem „r“ ein „n“ und hab ich eigentlich mein Geschlecht geändert?! Nun ja, das hat Hanna und mir einen Lachanfall beschert und damit hoffentlich auch ein paar Bauchmuskeln ;o)
In der indischen Rechtschreibung gibt es häufiger mal lustige Fehltritte, die ich leider viel zu selten festhalte und allzuschnell wieder vergesse. Hier also nur einige lustige Auszüge aus dem indischen Wörterschatz:

So, wie viele Fehler findet ihr? Ich bin bei 13 plus die nicht vorhandene Grammatik des Schildes in der Moschee und der Mr.Deuben-Fehler vom Anfang. Schafft es jemand mich zu toppen?
Ratespiel
Von Uli, Hanna und mir liebevoll gemalt, nur was soll das eigentlich darstellen?!

P.S.: Ja, so schwer war es wahrscheinlich nicht, aber es beweist sehr eindrucksvoll wie ausgebildet unser geografisches Wissen ist und eventuell sagt es auch etwas über die Aufmerksamkeit aus, die wir unserem Erdkunde-Lehrer ano dazumal geschenkt haben.
Bilder über Bilder: Hampi
Affen über Affen, und alle haben nur darauf gewartet von Uli gefüttert zu werden
Ich, Hanna und Uli mit der Tempelelefantin Lakshmi
Uli bei ihrer Lieblingsbeschäftigung in Hampi
I ♥ Ganesha!
Alltagsleben – der Fluss als Mittelpunkt
meine Kamera als Schlangenbeschwörer
Wunderbares indisches Fernsehen während dem Warten auf den Zug
Die Sendung mit der Quietscheente: Hampi
Hampi, oh Hampi. Für Quietscheenten wie mich, die sich sehr für Kultur und Geschichte und Fakten interessieren ein absolutes Paradies! Leider war ich – aufgrund des Schmelzens in der Sonne in Goa – zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich fotogen, was den Fotomangel hoffentlich erklärt.
Sogar im Ramayana, eine Art hinduistisches Romeo-und-Julia-Epos, wird Hampi schon erwähnt, damals noch als Kishkinda, die Städte der Affengötter. 1336 wählte der Telugu Prinz Harihararya Hampi als den Ort an dem er die Hauptstadt seines hinduistischen Reiches errichtet werden sollte. Im 16. Jahundert war die Stadt eine hinduistische Metropole mit fast einer halben Millionen Einwohner und jeder Menge Handel, bis 1565 die Deccan Sultane Hampi dem Boden gleichmachten.

Mitten im Zentrum Hampis kann man den Virupaksha Tempel finden, der in Teilen schon in 1442 gebaut wurde. DerHauptschrein ist Virupaksha gewidmet, einer Form von Shiva, die – laut Sandras Buch „Gods and Goddesses of India“ etwa „Having Ill-formed Eyes“ bedeutet. Dieser Tempel beherbergt auch eine Tempelelefantin , Lakshmi, die jeden Morgen um 8 Uhr ein Bad im Fluss nimmt.
In den Hügeln oberhalb des Virupaksha Tempels, die sich Hemakuta Hill nennen, gibt es einige Ruinen, die Statuen Ganeshas, dem Gott mit dem Elefantenkopf, und Narasimhas, eine Reinkarnation Vishnus, zeigen.

Etwas außerhalb liegt der Vittala Tempel aus dem 16. Jahrhundert. Die Skulpturen stammen aus der Kunstepoche derVijayanagar, viel interessanter sind aber die musikalischen Säulen. Das sind Säulen, die den Ton, ausgelöst durch Klopfen, zur nächsten Säule tragen. Einige Touristen-Führer konnten damit sogar ganze Melodien klopfen. In der Mitte des Tempel-Komplexes steht ein steinerner Streitwagen, dessen Räder wohl vor vielen Jahrhunderten auch mal in der Lage gewesen waren sich zu drehen.

Sehr interessant ist auch das Lotus Mahal, ein Pavillon, der wohl früher ein Rückzugsort der Königin war.
Das war’s also erst mal mit der Aufarbeitung des Urlaubs, ich hoffe mal, dass mein Kulturteil nicht allzu sehr abgeschreckt habt und ihr auch das nächste Mal wieder einschaltet, wenn es wieder heißt: Die Sendung mit der Quietscheente ;o)
Eure Quietscheente
Kunst auf meinem Rücken
Ich habe mich getraut. Mein Rücken wird seit dem Urlaub in Anjuna durch etwas schwarze Farbe geschmückt. Schon seit geraumer Zeit habe ich von diesem Tattoo geträumt, aber meine Mutter fand die Idee weniger prickelnd. Deswegen bestach sie mich an meinem 18ten Geburtstagen mit den Worten: „Wenn du dich bis zum Abi nicht tattowieren lässt, bezahle ich dir deine neue Mattraze.“ Natürlich willigte ich ein, als Schüler ist Geld schließlich Mangelware.

Abi hab ich ja nun schon ein Weilchen, nur die schwarze Farbe auf meinem Rücken hat bis vor 2 Wochen noch gefehlt. In Anjuna habe ich dann – dank dem Zweiteiler – einen super Tattoowierer gefunden, der mich in gerade mal einer halben Stunde um einige Rupien ärmer machte.
Es handelt sich um das „Tri Ratna“-Smbol, das die drei Perlen des Buddhismus abbildet. Buddha, der Erleuchtete, Sangha, der Mönchsorden, und Dharma, die Lehren Buddhas.
So, dann will ich euch mal nicht weiter auf die Folter spannen und das Prachtstück mal präsentieren:
Bilder über Bilder: Goa
Die Sendung mit der Quietscheente: Goa
Warum gibt es keine Fotos von mir am Strand? Man erinnere sich an eine Sonnencreme-Werbung aus Deutschland die eine Quietscheente am Strand zeigt, die davon schmilzt. So oder so ähnlich sah das bei mir auch aus und ich habe meinen Packesel Sandra losgeschickt um für mich ein paar Fotos zu machen, während ich faul im Schatten lag. Gerechte Arbeitsteilung nennt man das.
Leider wollte mein Packesel auch lieber auf der faulen Haut liegen und deshalb ist der Informationsgehalt dieser Ausgabe etwas geringer als sonst.
Gewohnt habe ich in Anjuna Beach, dem Strand, der auch heute noch für Hippies und ihre Lebensform bekannt ist. Jeden Mittwoch gibt es einen Flohmarkt für den man seine Kenntnisse im Handel aufpolieren sollte. Ansonsten ist der Strand nicht zu voll und auch nicht so leer, dass man dort keine Menschenseele trifft. Viele entspannte Abende verbrachte mein Packesel und dessen Anhang in einer der vielen Strandlokale bei mehr oder weniger guten Cocktails, meist war ich nicht eingeladen.
Ich habe es gerade so geschafft die umliegenden Strände zu erkunden. Baga und Calangute kann ich niemanden empfehlen, sie sind vollgestopft mit Pauschaltouristen, man findet kaum einen Platz für sein Strandtuch! Mandrem dagegen ist ein wunderschöner Strand, der durch seine abgelegene Lage ruhig und beschaulich ist.
Calangute und Baga
Mandrem im Regen
Man merkt schon, dass Goa nicht gerade der Ort für große kulturelle Entdeckungen ist und dementsprechend konnte ich eine Woche lang mal meine Entenbeinchen baumeln lassen.
Bleibt dran, das nächste Mal melde ich mich mit einem Bericht über Hampi, das voller Kultur und Geschichte ist.
Eure Quietscheente
Bilder über Bilder: Mumbai
Indische Kurzgeschichten in Mumbai
Erste Mumbaier Kurzgeschichte: Beschiss!
In der Riesenstadt Mumbai wurden wir zweimal von der ganz fiesen Sorte beschissen. Das erste Mal ereignete sich nach einer 24-stündigen Zugfahrt, die unsere geistige Verwirrtheit vielleicht erklärt oder zu mindestens einen Erklärungsansatz bietet. Wir drei (Hanna, Uli und ich) purzelten also nach besagter Zugfahrt aus den Bahnhof und wurden gleich von einem überfreundlichen Taxifahrer zu einem echt vernünftigen Preis in sein Taxi eingeladen. Sein Taxi stünde allerdings etwas entfernt, ein befreundeter Taxifahrer würde uns schnell dorthin bringen. Kaum eingestiegen fingen die zwei an zu streiten. Unser Fahrer sollte seinen Freund bezahlen für den Weg, der Freund könne allerdings keinen 1000-Rupien Schein wechseln. Ob wir ihm besagten Schein nicht durch zwei 500 Rupien Scheine ersetzen können. Der Taxifahrer hatte Glück: Uli und ich hatten beide einen 500 Rupien Schein, die in seiner Hand verschwanden. Nach einem Lidschlag drehte er sich wieder um, mit zwei 100er in der Hand und der Aussage, er hätte 500er gewollt und keine 100er. Wir waren perplex, haben es ihm aber geglaubt. Noch mal wechseln konnten wir ihm nicht, also wurden wir in ein anderes Taxi umgesiedelt, in dem wir realisierten, dass wir gerade 800 Rupien ärmer geworden waren!
Beim zweiten Mal wurde an unsere soziale Ader appelliert durch eine Bettlerin und deren kleine Tochter, der wir kurz zuvor einige Rupien gegeben hatten. Die Mutter erklärte uns sie hätte einen Säugling und benötige Milchpulver, sie gab uns auch das von der Tochter zuvor erbettelte Geld zurück. Sie sei nicht in der Lage den Laden zu betreten, ob wir nicht bitte Milchpulver kaufen könnten. Sie hatte uns am Haken und wir ließen uns den Laden zeigen. Es stellte sich aber raus, das Milchpulver in der kleinsten Verpackung 400 Rupien kostet, ein wenig zu teuer für unser Budget. Stattdessen kauften wir dem Mädchen Kekse und entschuldigten uns dafür, dass wir kein Milchpulver kaufen. Als wir weitergingen, sahen wir wie die Mutter die Kekse beim Laden wieder umtauschte! Da wird man schon ein wenig stinkig, das Mädchen hatte sich aufrichtig über die Kekse gefreut! Den gleichen Trick wendet sie bestimmt auch bei dem Milchpulver an, das in großen Konservendosen verkauft wird. Ich wage es mir kaum vorzustellen, wie viel diese Frau verdienen kann, wenn sie mehrere Touris in ihr eng gestricktes Lügennetz verwickelt und sie umgarnt…
Zweite Mumbaier Kurzgeschichte: Big Baloon

In Mumbai kann man alles Mögliche und Unmögliche kaufen und die Verkäufer haben sich die lustigsten Geschäftssprücheeinfallen lassen. So wirbt der Paschmina-Verkäufer an der Ecke zum Beispiel immer (und immer heißt immer, wir liefen dort täglich mehrmals vorbei) mit „Yes, Ma’am? You want Pashmina Shawls?“ Nach ähnlichem Prinzip lief es auch bei Statuen-, Kleidungs- und Schmuckverkäufern. Manchmal waren es ganze Sätze, manchmal wurde man auch nur „Statues?“ gefragt. Am genialsten fand ich allerdings die Ballon-Verkäufer, die überdimensionale Luftballons verkaufen wollten. Von ihnen bekam ich immer einen riesenhaften Ballon ins Gesicht gehalten und dabei wurde geschrien: „Big Balloon? Big Balloon? Wanna buy my Big Balloon?“. Diesen Spruch fanden wir so witzig, dass wir ihn auch in Goa und Hampi noch zitierten.
Dritte Mumbaier Kurzgeschichte: Fotosession am Gateway of India
So langsam habe ich mich ja daran gewöhnt ständig fotografiert zu werden, immerhin bin ich blond und blauäugig und werde auch bei größter Anstrengung kaum braun. Am Gateway of India in Mumbai kam dann aber der Knüller. Dort laufen Fotographen umher, die Bilder vor dem Gateway machen, direkt ausdrucken und dann verkaufen. Solch einer sprach uns an und wollte mit einer Gruppe von Indern und uns ein Foto machen, ohne das Gateway überhaupt auf dem Bild zu haben! Wir fanden die Idee so lustig, dass wir einwilligten. Uns war aber nicht bewusst, dass wir mit jedem Inder der Gruppe ein Einzelbild machen würden. Beim Siebten und Letzten waren wir schon so gelangweilt, dass der arme Wurm Hasenohren verpasst bekam. Daraus habe ich gelernt, dass mich meine Hautfarbe interessanter macht als den bekanntesten Sightseeing-Punkt Mumbais, so schien es auf jeden Fall in diesem absurden Moment.























































Hanna und ich beim Paan-Essen (und später wieder ausspucken)







